Erfahrung kann man nicht kaufen, aber man kann sie teilen.(5)

Ein Brief an den Bayer-CEO

Sehr geehrter Herr Bayer-CEO,

lieber Werner Baumann,

 

Sie sahen nicht gut aus auf den Pressebildern, als Ihnen die Entlastung des Vorstandes bei der Hauptversammlung nicht erteilt wurde. Es bewegt mich, wie Sie in der größten Krise der Bayer-Geschichte einen Ausgang suchen. Es bewegt mich, denn Sie wirken von der Flut der menschlichen Wut und Enttäuschung der Anleger erschlagen. Sie versuchen es rational zu regeln, aber Fakten sind vor allem für die Anwälte und alle Institutionen wichtig, die Sie mit Informationen versorgen müssen. Bei den Anlegern geht es nur bedingt. Wenn Sie diese Menschen jetzt erreichen wollen, nachdem sie Ihnen nicht mehr vertrauen, müssen Sie wie ein Mensch reden, dem es nahe geht, was gerade passiert.

Wissen Sie, ich wirkte als Beraterin oder Prüferin bei solchen Due Diligence-Prüfungen, wie die zum Monsanto-Deal, daher kommen wir direkt auf den wesentlichen Punkt in der Sache: Sie haben die falsche Risiko-Berechnung herangezogen und niemand hat es gesehen.  Sie wussten zwar alle, dass es um das Krebsrisiko geht. Dazu hatten Sie Tonnen von Papierunterlagen von Monsanto.  Darauf basierend kalkulierte jemand von Ihnen, was es kosten würde, wenn Sie dem Merger dennoch zustimmen. Da stand sie, diese Zahl, die Gerichtskosten und Entschädigungen an die Erkrankten enthielt. Nach Abzug dieser Kosten erschien es dennoch lukrativ, Monsanto samt Glyphosat zu kaufen.

Wo lag der Fehler?

In dem, was in diese Berechnungstabelle nicht hineinpasst, denn es ist nicht messbar. Der Fehler lag in der nicht kalkulierbaren Wut, Enttäuschung und Angst der jetzt erschütterten Anleger und Beobachter, die erkannt haben, dass für das Vorzeigeunternehmen Bayer die wegen Glyphosat Erkrankten und Sterbenden lediglich eine Zahl sind. Nichts mehr.

Dieser Fehler zeigt sich jetzt als eine Lawine des Vertrauensverlustes der Anleger und eine Tsunami-Welle der Menschen, die sich jetzt Mut finden, vor Gericht zu ziehen.

Ihre kalkulierte Zahl stimmt nicht, denn wo das Herz fehlt, rechnet das Gehirn falsch.

Es gibt es einen Weg, wie Sie alle erreichen können. Nein, es ist nicht die Berufung eines Spezialisten in den Aufsichtsrat, der sich mit Anklagen in den USA auskennt. Das ist keine Entscheidung, die von tiefem Verständnis davon zeugt, was jetzt zählt. Denken Sie mit Ihrem Herzen, nicht mit dem Bankkonto des Konzerns. Businessethik ist nicht verhandelbar, seien Sie um andere Menschen menschlich besorgt. Holen Sie diesen Juristen in den Aufsichtsrat, aber vor allem auch noch eine Person, die es gewagt hätte, dem Aufsichtsrat diese Frage zu stellen: „so kompliziert ist das nicht, wer von Ihnen würde das eigene Kind oder Enkelkind auf eine jeden Tag frisch mit Glyphosat behandelte Wiese zum Spielen herausschicken, der sagt jetzt „ja“ zum Merger“.
Lieber Bayer-Aufsichtsrat, lieber Vorstand: bekennen Sie sich zur Business-Ethik, die Menschenleben und ihre Gesundheit nicht als kalkulatorische Größe sieht. Ihre Krise ist gut, sie eine Einladung zum Wachstum.

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